Wandern

Im Morgengrauen auf dem Masdascher Burgherrenweg

Aussicht auf die Geierlay Hängeseilbrück auf den letzten Metern vor dem Einstieg.Raus hier! 🙂 Verrückte müssen Verrücktes tun!

Mal wieder war es soweit. Es musste einfach sein. Auto umgebaut und ab in den Hunsrück. Irgendwo würde ich ein ruhiges Plätzchen finden zu nächtigen, denn schließlich wollten wir mal wieder eine große Tour machen. Ich hatte den Masdascher Burgherrenweg geplant in Kombination der Geierlayschleife, die in einen Bogen durch das Mörsdorfer Bachtal unterhalb der Geyerlay Hängeseilbrücke führt. Also – eine ziemlich weite Tour die in Anbetracht der erwarteten Temperaturen sowieso einen ziemlich frühen Start erforderte. Passt!

Eigentlich gar nicht so verrückt – finde ich – andere sehen das komplett anders 😉

Abendrot am Schlafplatz im Freien.Einsame Nacht im Hunsrück

Irgendwann gegen 20.00 Uhr fanden wir eine geeignete Stelle, die für uns zum Übernachten geeignet schien. Herrlich – absolute Ruhe, nur ein wenig Vogelzwitschern und zu später Stunde auch hier und da Wild. Ansonsten RUHE. Lauer Abend, als auf einer Decke noch eine Weile mit den Jungs draußen gehockt und gelauscht. Dann – husch-husch in die Koje, denn schließlich wollten wir in aller Frühe aufbrechen.

Kaffeekochen im Freien. Um kurz nach 4 bereitete ich uns vor. Hunde füttern, Rucksack kontrollieren, während dessen kochte mein Kaffeewasser. Eine Banane – einen leckeren Kaffee (es gibt einfach nichts Feineres am frühen Morgen.)

Gegen 5 schnallte ich die Hunde und dann ging es in völliger Dunkelheit los.

Sonnenaufgang über den Hunsrückhöhen

Baumallee im Morgenrot vor dem Sonnenaufgang.

Eigentlich gelogen. Den richtigen Sonnenaufgang sah ich gar nicht, da wir da bereits in das Tal am Sosberger Bach eingetaucht waren. Wir haben lediglich die Zeit vor dem Sonnenaufgang erlebt. Hatte etwas Magisches.

Erstes Ziel – die Geierlay Hängeseilbrücke

Der Plan, so früh an der Geierlay Hängeseilbrücke zu sein, um möglichst dem touristischen Ansturm nicht erleben zu müssen. Deshalb liefen wir, von ein paar kleinen Fotopäuschen abgesehen, die 8 Kilometer Nonstop bis zu diesem sensationellen Bauwerk.

Der Weg dorthin führte überwiegend uns auf einer Länge von ca. 5 Kilometern auf kleinen Pfaden seicht bergab. Wir passierten alte Höhlen, viele Bäche und hörten und sahen recht viel Wild. Allerdings war es viel zu dunkel, um hier brauchbare Fotos zu machen.

Interessant war die Fossilienfundstelle am Sosberger Bach. Wir fanden natürlich keine, aber der Schiefer, der dort lag, war wirklich schön.

Wo bergab da auch bergauf 🙂 Also ging die folgenden 3 Kilometer bis zur Hängebrücke nur noch aufwärts. Nicht sehr steil aber auch nicht zu seicht, wie zuvor das Bergab. Noch waren die Temperaturen so, dass es für die Hunde und mich absolut okay war. Darüber hinaus gab es noch die eine oder andere Planschmöglichkeit für die Hunde, die wirklich jede Abkühlgelegenheit dankbar nutzten.

Die Geierlay Hängeseilbrücke. Der Einstieg in die 360 Meter lange Brücke.Wir erreichten die Geierlay Hängebrücke. Wie geplant – bis auf einen Fotografen mit 2 Models war niemand auf und um die Brücke herum. Puh … alles andere hätte mich auch dazu veranlasst, sofort das Weite zu suchen.

Ich war mir nicht so sicher, ob ich alleine über die Brücke gehen sollte, die immerhin über 360 Meter lang ist oder ob die Hunde mitkommen sollten. Ich testete das an. Und siehe da, die beiden survivalerprobten Jungs betraten die Brücke ohne mit der Wimper zu zucken.

Also marschierten wir los. Schon beeindruckend, wenn ca. 100 Meter über dem Abgrund läuft. Hat was! 🙂

Hier lasse ich einfach die Bilder sprechen: Sowohl die Brücke von oben als auch die Ansicht von unten. Letztere entstanden, als wir das Mörsdorfer Bachtal, unterhalb der Hängeseilbrücke, durchliefen.

Die Hunde passen auf den Rucksack auf.Im Anschluss an das Überquerungsabenteuer machten wir jetzt aber eine ausgiebige Frühstückspause.

Während ich – ganz begeistert, dass ich dort oben endlich mal wieder Goldammern zu sehen bekam – kleine Abstecher hier und dort hin machte, passten die Jungs auf unser Hab und Gut auf.

Durch das Mörsdorfer Bachtal Richtung zum Burgberg

So langsam kletterten die Temperaturen ordentlich. Im Mörsdorfer Bachtal war es zum Glück recht schattig. Der Mastershausener Bach in unmittelbarer Nähe sorgte dafür, dass die Jungs auch bei guter Laune blieben.

Im Mörsdorfer Tal sehen wir die Hängeseilbrücke von unten.Und Megacool – die Hängeseilbrücke von unten. Mittlerweile waren dort auch einige Touris. Gut, dass wir den Ort bereits verlassen hatten 🙂

Der Weg führte uns überwiegend über angenehm zu gehenden Pfade. Mal Wurzelpfade, mal Felsen – genau so, wie wir es mögen.

Mastershausener Bach am Römischen Brunnen. Licht und Schatten. Sonnenstrahlen zwischen den Blättern auf das Wasser.Vor dem Anstieg auf den Burgberg gab es eine wunderschöne Wasserstelle, hier verweilten wir ganz kurz, bzw. ich schoss Fotos während die Hunde durchs Wasser tobten. Gemeinsam schauten wir uns eine der vielen Stollen und den römischen Brunnen an. Dann wurde es absolut anstrengend.

Zwar war die Schutzhütte auf dem Burgberg von hier aus nur noch knappe 200-250 Meter entfernt aber Hola die Waldfee, es ging ziemlich knackig nach oben. Nun – schnaufen war jetzt legitim. Warme Temperaturen, über 12 Kilometer auf den Sohlen … nun ja.

Und wenn selbst ein Capper ab hier überwiegend freilaufen konnte, weil er überhaupt … so ÜBERHAUPT keine Ambitionen mehr hatte, seine Nase irgendwo hineinzustecken … das spricht für sich. 😉

Die Schutzhütte auf dem Burgberg. Die Hunde liegen entspannt davor. WanderpausePause auf dem Burgberg – Powernap für Suri-Man

Die 2. große Pause war angesagt. Quasi 2. Frühstück am Abgrund 😉 mit Blick über das Tal.

Ganz ehrlich: Mir taten jetzt die Schultern heftig weh. Normalerweise nehme ich „nur“ 3-4 Liter Wasser und eben das Übliche mit. Etwas zu essen, 1.-Hilfe-Zeugs und eine Jacke und natürlich ein Knipsgerät.

Dieses Mal hatte ich 4,5 Liter Wasser dabei (zum Glück wurde das mit jeder Pause weniger und ich brauchte dank der vielen Bäche auch nicht weiter für Nachschub sorgen…) aber auch noch die große Kamera. Ergo – ich schleppte nochmal zusätzlich knappe 3 Kilo mit mir herum.

Für was? Für nothing.

Entweder man macht eine Fototour oder man macht eine ambitionierte Wanderung. Mir fehlt bei der 2. Variante einfach die Energie, mich mit guten Bildern zu beschäftigen. Von daher … es war verdammt schweres Lehrgeld. Eine Kamera zum knipsen reicht.

Suri schläft während der Wanderpause auf dem Burgberg.Jedenfalls war nicht nur Suri-Man über die Pause dankbar. Der legte sich auch nach seinem Snack kurz zum Powernap hin. Auch meine Schultern waren dankbar. Ein wenig massieren, ein wenig lockern und vor allem, nun die Rucksackschnallung noch etwas ändern, dass die Hüften noch mehr Gewicht tragen, um die Schultern zu entlasten. (Ich verrate an dieser Stelle noch nicht, wo ich nun überall Muskelkater habe 😉 )

Auf zur Burgruine Balduinseck

Bachlauf im Wald.Die nächsten 2,5 Kilometer bis zur Burgruine waren landschaftlich absolut traumhaft. Immer einen Bach an der Seite – mal direkt neben dem Weg, mal von oben aus sehend … die durch die Bäume schimmernde Sonne, das Wasserplätschern…

Wir 3 gingen einfach so dahin. Ich dachte gar nicht mehr so viel nach, hörte einfach nur auf die Geräusche. Die Hunde liefen zügig vor mir her … allerdings sehr brav … So konnte jeder für sich auf seine Art ganz in Ruhe beim Gehen relaxen.

Kurz vor der Burg unterquerten wir eine Landstraße durch einen Tunnel. Den fand Capper ziemlich gruselig. Da musste Suri den Helden spielen … wie süß! 🙂

Kurzzeitig spielte ich mit dem Gedanken, noch die Burg zu besichtigen.

Falke über Burgruine Balduinseck. Fliegt über die Gemäuer.In Anbetracht der Kilometer, die wir bis hierhin gelaufen hatten, den stetig steigenden Temperaturen und vor allem der Zeit, die wir bereits auf den Beinen waren, entschied ich mich dagegen. Den Hunden und meinen Schultern zu Liebe.

 

Ein schönes Zufallsbild entstand trotzdem.

So wie es sich für eine Burgruine gehört, erwischte ich einen Turmfalken oberhalb der alten Gemäuerreste … HACH 🙂

Die letzten 4,5 Kilometer …

Weiterhin herrlich durch den Wald – immer am Mastershausener Bach entlang. Das war herrlich. Auch wenn wir alle 3 gut merkten, dass wir bereits einiges geleistet haben, waren es auf keinen Fall die typischen „quälenden“ letzten Kilometer.

… bevor … ja bevor er kam

der brutale letzte Anstieg …

Wir machten noch eine kurze Pause. Trinken wollten die Jungs zwar nichts mehr, nahmen aber gerne ein Stück von meinem Apfel in Empfang. Ich musste allerdings noch was trinken, denn üblicherweise saufe ich nicht aus Bächen … 😉

Da wussten wir aber noch nicht, dass es auf die letzten Meter noch richtig „mörderisch“ werden würde.

Wir verließen das Tal. Jetzt ging es nur noch bergauf. Okay … anstrengend aber nichts schlimm. Dachte ich…

Der letzte Anstieg in großer Hitze. Staubiger Weg.Allerdings wusste ich nicht, dass nun noch ca. 1,5 Kilometer nicht nur bergauf sondern nur noch mehr oder weniger lichten Baumbestand und die letzten 700 Meter sogar nur noch Freifläche haben würden. Bei gefühlten 35 Grad (es waren tatsächlich 28 Grad) und Sonne satt war das für die Zielgerade hammerhart.

Trotzdem … Suri und Caps immer noch vorweg, wenn auch eher im Schritt oder Trotteltrab, während ich wirklich den Schleichgang drauf hatte. Wow …

Mega stolz – mega zufrieden … ein unvergessliches Erlebnis

Geschafft! Nach 8,5 Stunden auf den Füßen (wenn auch alle Pausen eingerechnet), 19,5 Kilometern und insgesamt 2260 Höhenmetern waren wir zwar wirklich geschafft aber nicht völlig hinüber.

Es war mega schön. Von Freitagabend bis Samstagnachmittag … einfach eine Auszeit in die Einfachheit.

Meine Jungs stehen eh nicht auf Luxus … und ich brauche das auch nicht. So war es perfekt.

Fazit zur Tour:

Der Masdascher Burgherrenweg ist wirklich eine tolle Tour. Vielleicht nicht ganz so bombastisch wie beispielsweise die Traumschleife Ehrbachklamm, dennoch super abwechslungsreich, kaum „traditionelle“ Wanderwege sondern überwiegend Pfade mit ein paar kleineren Herausforderungen. Empfehlenswert.

Die gewählte Verlängerung „Geierlayschleife“ war dann das I-Tüpfelchen. Auch wenn ich eigentlich keine Touristenhochburgen mag … dieses Bauwerk in aller Schönheit ohne Menschen zu sehen ist gigantisch.

Hier die Streckendaten: