Wandern

Kroppacher Schweiz. Grandiose Felsen – verträumte Täler

Felsen und schmale Kletterpfade in der Kroppacher SchweizKnackig, richtig knackig sind die

Felsen in der Kroppacher Schweiz im Westerwald

Eine wirkliche kleine Erlebnistour machten wir gestern in Anlehnung an den Wanderweg „Auf schmalen Pfaden u. Klettersteig über das Weltende hinaus“. Die Kroppacher Schweiz gehört zum Naturraum Nisterbergland also zum Mittelsieg-Bergland. Allerdings haben wir den Streckenverlauf ein klein wenig modifiziert, so dass wir neben den Felsen auch noch eine Flussdurchquerung hatten.

Es wird explizit darauf hingewiesen, dass ein Teil dieser Strecke nur mit geeignetem Schuhwerk zu laufen ist, alles auf eigene Gefahr passiert und weder Kinderwagen noch Rad tauglich ist.

Mäusebussard fliegt über die BaumwipfelSofort drin im Paradies

Vom Parkplatz am Friedhof in Stein-Wingert ging es sofort über einen Wiesenweg in den Wald. Stets oberhalb der Großen Nister folgten wir einem schönen Wanderweg, der hin und wieder gespickt war mit Felsbrocken. Nichts Dramatisches. Also Zeit zum wach werden und zum Natur genießen. Nach knapp 2 Kilometern war Schluss mit Chillen.

Suri steht auf einem schmalen Wanderpfad in der Kroppacher SchweizKlettern und Schwitzen in den Felsen des Naturpfads

Der beste Teil der Wanderung war zwischen Kilometer 2 und 5. Hier versteht man, warum es Kroppacher Schweiz heißt. Recht schmale, steile Passagen wechseln sich mit kleinen Felsenpfaden ab. Mal weiter oberhalb der Großen Nister, mal wieder unten an dem Flüsschen entlang. Vorbei an einem Stollen, der Ende des 19. JH dazu diente, Eisen, Erz und Blei aus dem Berg zu holen. Heute ist er Unterschlupf für Federmäuse.

Wie auch schon in der Baybachklamm praktiziert, benötigte Suri an 2 Stellen aktive Kletterhilfe von mir. Diese riesigen Felsen hätte er selber nicht bewältigen können. Mittlerweile ist er aber ein kleiner Profi, was das angeht und spielt tadellos mit.

Findlinge im Fluss Nister. Sie dienen der Flussdurchquerung.Flussüberquerung ohne Brücke

Das wollte ich mir nicht nehmen lassen. Wenn schon Abenteuer, dann auch eine solche Gelegenheit nutzen! 😉

Große Findlinge weisen den Weg durch bzw. über den Fluss. Allerdings ist es nicht ratsam, über diese Steine zu hüpfen. Glatt und schmierig sind sie, wenn sie nur ein wenig feucht werden. Ich hatte es zunächst so probiert, musste aber feststellen, dass ich nicht trockenen Fußes das andere Ufer erreichen würde, zumal Suri so seine Probleme hatte. Der wollte nämlich partout über diese Felsen, was ihm aber nicht gelang. Die Steine waren zu glatt, er kam diese erst gar nicht hoch.

So überzeugte ich ihn, mit mir zusammen rechts neben den Steinen durchs knietiefe Wasser zu waten. Ein Unterfangen was Zeit kostete, denn Suri fand die Strömung sehr suspekt. Gemeinsam schafften wir das und meine Füße waren sozusagen schockgefrostet. 😉

Caps erledigte den Job natürlich so, wie es sich für eine richtige Wasserratte ziemt.

Das Nistertal. Hohe grüne Wiese, weite Landschaft gesäumt von hohen Felswänden und Wald.Verzauberndes Idyll – das Nistertal

Leider fanden wir den Wanderweg nicht, der uns durch das Tal führen sollte. So beschlossen wir, den leichten Traktorenspuren, die noch ganz latent auszumachen waren in dem hohen Gras, zu folgen. Entlang unten am Wasser und hohen Felswänden. Dazu eine herrliche Ruhe, Sonnenschein, Vögel, Nutrias, Enten und eine Begegnung mit einer Ricke mit Zwillingen.

Rehwild … bitte nicht stören

Extrem glücklich bin ich darüber, dass ich mit Capper und Suri tatsächlich richtige Wanderkumpel habe. Suri, der großteils frei läuft, bleibt zuverlässig dann stehen, wenn er irgendwas „Lebendes“, sei es Hase, Kaninchen, Vogel oder Reh ist, stehen. Er ist stets ruhig dabei und es mutet an, als würde er mir zeigen wollen: Pass auf, da ist was!

So auch in dieser Situation. Suri bleibt auf einmal stehen, schaut mich an … und spielt Fels in der Brandung. Ich sehe keine 10-12 Meter von mir entfernt im hohen Gras eine Ricke und 2 Jungtiere. Capper, der natürlich an der „Kette“ ist, konnte ich mit einem leisen „Platz“ sofort einnorden, so dass er nicht ins Jallern kam. So hatte ich 1. die Gelegenheit, 3-4 Fotos zu machen und gleichzeitig den Rückzug antreten.

Reh steht am WaldrandDie Situation ging für die Tiere stressfrei vorbei. Erst als wir ein gutes Stück weg waren, registrierte uns das erwachsene Tier richtig. Erst dann entfernte sie sich mit den Jungtieren ohne Hektik an den Waldrand.

Im weiteren Verlauf beobachte ich noch ein Nutria. Danach ging es durch den Wald mit dem nächsten Highlight im Blick…

Die Seilhängebrücke über die große Nister

Hängeseilbrücke über die Große Nister bei der Helmerother Mühle

Wacholderdrossel sitzt auf dem Wiesenweg mit Beute im SchnabelOder auch „längste Hängebrücke im Westerwald“. Bis dorthin folgten wir ca. 1 Kilometer weit einem Wiesenweg entlang der Großen Nister. Ein wenig relaxen, ein wenig schauen. Dabei zeigte mir Suri wieder mal ein Fotoobjekt an. Eine Wacholderdrossel. 🙂

Für Wanderer mit Hund könnte diese Brücke tatsächlich zu einem Problem werden. Denn selbst meine erprobten Hunde fanden die Überquerung spooky. Suri, der sehr gerne über Brücken geht, ging sehr sehr vorsichtig. Erstens wackelt die Brücke und zweitens, man kann durchschauen. Bei Capper sah es nicht anders aus. Aber sie schafften das mit Bravur.

Jetzt war es Zeit für unser Frühstück! Das hatten wir uns nach den Anstrengungen der 6,5 Kilometer auch verdient.

Der Rest der Wanderung war ein Klacks

Quasi ein Cooldown auf den letzten 5 Kilometern. Dieser Abschnitt war wenig spektakulär und teilweise störte es mich, dass die Wanderung über einige asphaltierte Passagen führte. Das mag ich nicht so sehr, wenngleich es nach den vorangegangen Anstrengungen sicherlich eine Erholung darstellt.

Diese Passage war eher langweilig. Wobei langweilig ein dehnbarer Begriff ist. Wäre die ganze Wanderung so gewesen, wäre ich bitter enttäuscht. Aber so war es für mich absolut okay. Ganz zu Schluss gab es noch einen schönen urigen Felsenpfad und dann war auch schon der Ausgangspunkt wieder in greifbarer Nähe.

Fazit:

Die Kroppacher Schweiz ist eine Reise wert. Insbesondere der Naturpfad ist wahnsinnige schön. Mit dem heutigen Wissen, würde ich allerdings die Route nach der Kletter- und Nistetalpassage abwandeln, so dass der Asphaltanteil auf der 2. Hälfte deutlich verringert würde. Natürlich mit der Konsequenz, dass sich die Strecke dadurch verlängert.

Für uns waren diese 11 Kilometer ausreichend, da der erste Teil mega anstrengend war und die Temperaturen am späten Vormittag doch knackig in die Höhe schnellten.