Natur und Tiere

Hausrotschwänzchen – flügge heißt nicht autark

Hausrotschwanzmutter füttert Jungvogel auf dem DachFlügge ja … aber Mami ist noch wichtig

Gestern hatte ich noch einmal die Gelegenheit, die Rasselbande der Hausrotschwänzchen zu beobachten.

Nach den Recherchen im Netz hatte ich die Befürchtung, sie würden in den ersten Tagen völlig hilflos irgendwo in den Büschen sitzen. Meine Angst, dass die Katzen sie kriegen würden, wuchs nach diesen Recherchen ins Unermessliche.

Hausrotschwanzjunges wartet im Apfelbaum auf die FütterungGanz so dramatisch ist es dann doch nicht. Die kleinen haben recht schnell einen Weg gefunden, auf Mauern und Schuppendächer zu gelangen und – als Erstlingsbude steht der Apfelbaum ganz hoch im Kurs.

Leider musste ich die eine penetrante Katze gestern gleich mehrmals vom Schuppendach unter dem Apfelbaum verjagen. Die saß da und kapierte einfach nicht, dass sie hier nicht erwünscht war. So musste ein „seichter“ Wasserstrahl aus dem Gartenschlauch ein wenig nachhelfen. Aber dieses Exemplar ist leider beratungsresistent. 🙁

Nichts desto trotz … die Hausrotschwanzeltern sind sehr damit beschäftigt, diese kleinen Wesen für ein Leben in der harten Realität vorzubereiten.

Hausrotschwanzmännchen auf dem Beobachtungsposten GartenzaunWachposten der Hausrotschwänze

Meistens sitzt der Papa der Horde irgendwo auf einem Dachwipfel oder Zaun oder sonst einer erhöhten Plattform und beobachtet das Geschehen. Sobald Gefahr in Verzug ist, knattert er, was die Kehle hergibt und warnt in höchsten Tönen.

Auf diese Art und Weise kann ein Elternteil den Nachwuchs versorgen, was kein leichtes Unterfangen ist. Die Kleinen sitzen nämlich nicht zusammen. Einer wartet im Apfelbaum, der andere auf dem Stahlträger der Halle, der dritte im Nachbargarten. So hat der fütternde Teil mächtig viel zu fliegen.

Papa Hausschwanz hält sich nun zurück

Auch hier habe ich ein ganz anderes Bild bekommen. Ganz im Gegensatz zu den Beschreibungen, hatte sich der Vater während der Nestzeit sehr wohl umfassend um die Brutpflege gekümmert. Erst jetzt, wo die Kleinen nicht mehr im Nest sind, hält er sich komplett aus dem Fütterungsgeschäft heraus. Deshalb ist er trotzdem stets in der Nähe und passt auf und hält alles im Blick.

Hausrotschwanzweibchen sitzt auf der Mauer und guckt nach dem NachwuchsMama Hausschwanz im Dauereinsatz

Während der Papa nun die Lage checkt, schafft Mama fleißig das Futter heran. War ich doch schon sehr beeindruckt von der Leistung, die diese kleinen Vögel vollbringen, um 3 Jungvögel im Nest zu versorgen, steigt die Anstrengung für das Muttertier derzeit ins Unermessliche. Der Nachwuchs ist seltenst zusammen und auch niemals am gleichen Ort. Allerdings konnte ich auch beobachten, dass der Papa immer wieder durch seine veränderten Ansitze sehr genau anzeigte, wo sich die Winzlinge derzeit aufhalten. Für die Mama sicherlich ein hilfreicher Anhaltspunkt.

Toleriert oder absolut inakzeptabel

Die kleinen Hausrotschwänze sind wahre Kämpfer. Die Elterntiere entscheiden sehr genau, wer sich in der Nähe des Nachwuchses aufhalten darf und wer nicht. Interessant. Meisen werden geduldet. Man meckert (knattert) ein wenig, aber grundsätzlich läuft das Zusammenleben (beispielsweise im Apfelbaum) recht unproblematisch. Auch der Grünfink darf im Baum sitzen, wenn ein gewisser Abstand eingehalten wird. Aber die Amsel – oh je – da werden die Rotschwanzeltern zu Furien. Mehrfach habe ich gestern sehen können, dass diese wirklich attackiert werden, so dass diese, doch wesentlich größeren Vögel, lieber klein beigeben und das Weite suchen.

Ich selber werde auch geduldet. Sonst hätte ich keine Fotos schießen können. Ja. Die Mama knattert beim Anflug auf die Youngster, hat aber keine Probleme damit, dass ich in 5-6 Meter Entfernung den Paparazzi spiele. Möglicherweise haben sie sich in den letzten Wochen einfach daran gewöhnt, dass ich (die ja schließlich auch ein wenig für das leibliche Wohl beisteuert 😉 ) öfter mit diesem Knipskasten vor Ort bin. Denn … die Anwesenheit anderer Menschen (beispielsweise meine Nachbarn) führt dazu, dass das Geknattere wesentlich lauter wird und einige Aktivitäten komplett eingestellt werden.

Harte Schulstunden

Hausrotschwanzjungvogel fliegt vom Zaun aus weg.Gestern Abend schaute ich völlig gebannt dem harten Treiben im Hof zu. Ich lüge nicht, wenn ich sage, dass die Hausrotschwanzmama den Nachwuchs mit unerbittlicher Härte vom Apfelbaum auf das Schuppendach trieb. Von da aus auf das Hallendach – über das Hausdach wieder zurück in den Apfelbaum. Und wehe, der Zögling wollte nicht. Da war echt Krawall in der Hütte.

Dieses treiben verfolgte ich bei einem der Kleinen komplett und konnte ansatzweise noch sehen, dass auch ein zweites der drei Geschwister eine ähnliche Schule durchmachte.

Sie sorgt sich sehr

Hausrotschwanzweibchen beim Insektenfangen an der MauerIch hatte im zweiten Blogbeitrag über die Hausrotschänze beschrieben, dass ich so verwundert war, warum dies Vögel gegen Mauern fliegen. Bis ich herausfand, dass sie so Insekten stellen. Mir ist es gelungen, ansatzweise ein Foto davon zu schießen. 🙂

Ansonsten schleppt sie emsig Käfer, Larven, Würmer oder auch mal einen Mehlwurm heran, da der Nachwuchs noch nicht in der Lage ist, sich selber zu versorgen.

Der Papa hält sich jedoch jetzt gänzlich aus der Fütterung heraus und übernimmt den überaus wichtigen Job, mögliche Gefahren zu erkennen und darauf hinzuweisen.

Hausrotschwanzweibchen mit einem Jungen auf dem DachMeine Beobachtung dieser jungen Familie neigt sich dem Ende zu

Seufz … Irgendwie fehlen sie mir jetzt schon. Ja – ich gebe zu – sie sind mir sehr ans Herz gewachsen. Heute jedoch habe die Kleinen nicht mehr gesehen. Die Mama kam noch ein paar mal angeflogen. Knatternderweise zog sie ihre Bahnen. Setze sich auch mir gegenüber auf das Hausdach, als wollte sie mir etwas erzählen. Das war es aber auch. Ihn sehe ich noch hier und da auf irgendwelchen Dächern in „unserem“ Hausrotschanzrevier sitzen aber er kommt derzeit nicht mehr in meine Nähe.

Bleibt einfach nur abzuwarten, ob die beiden, Mama- und Papa- Hausrotschwanz in diesem Jahr noch einmal beschließen werden, Nachwuchs aufzuziehen und ggf. wieder in ihr Eigenheim einzuziehen.

Es war eine wahnsinnig interessante Zeit, die mir zwar einiges an Nackenschmerzen eingebracht hat und vor allem auch Nachtschichten. Denn wenn ich fotografiere und beobachte, kann ich leider nur halbherzig meinem Brötchenverdienst nachgehen. Dies wurde dann in die Abendstunden verlegt. Aber okay – wann hat man schon mal das Glück, so nahe einer solchen Geschichte beizuwohnen.

Dafür danke ich den umwerfenden Hausrotschwänzen ganz, ganz doll! Das war grandios!