Wandern

Mit Dampfbad-Feeling zur Burgruine Schönstein im Naturpark Kellerwald

Die letzte Urlaubswanderung sollte etwas geschichtlich-kulturell angehaucht sein. Diejenigen, die die Wanderblogs verfolgen, wissen, dass ich alte Gemäuer liebe. Also wollten wir uns unbedingt die Ruinenreste der Burg Schönstein ansehen.

Auf zur Ruine Schönstein!

Bevor ich weiter erzähle, möchte ich nur kurz erwähnen, dass es keine Vertipper sind, wenn ich einmal vom Nationalpark Kellerwald und dann vom Naturpark Kellerwald schreibe.

Der Nationalpark ist der einzige Nationalpark in Hessen und ist ein kleiner Teil (südlich des Edersees) des Naturparks Kellerwald. Der Naturpark umfasst nahezu den kompletten Kellerwald.

Zum Wandern war die Witterung denkbar ungünstig. Die gewittrig-schwüle Luft ließ kein Lüftchen zirkulieren. Deshalb waren auch die eigentlich optimalen 18 Grad Temperatur nicht ganz angenehm. Wir hatten schon am Start um kurz vor 7 Uhr das Gefühl, im römischen Dampfbad zu sein.

Egal – Augen zu und durch. Wir wollten auf jeden Fall zur Ruine. Ob wir danach die zusammengebastelte Tour von 14 Kilometern gehen würden oder abkürzen, würden wir dann noch sehen.

Am Dorfrand Schönau wanderten wir zunächst über eine Wiese, die uns alsbald in den dunklen Wald führte. Hier übten wir uns in Pfadfinderei, weil meine zusammengebastelte Streckenführung hier nicht mehr wirklich vorhanden war. Also schlugen wir uns per GPS durch den Busch. 🙂 Spannend, spannend!

Hier existierte nur ein Pfädchen, was teilweise ziemlich zugewuchert war. Dazu ging es recht gut berauf, dass ich schon auf den ersten 500 Metern schweißgebadet war. Luftfeuchtigkeit lässt halt grüßen.

Wie gut, dass wir die Strecke so geplant hatten, dass wir die Ruine bereits nach etwa 2 Kilometern erreichen würden. Wie gesagt, ob wir dann spaziergangmäßig wieder zurück gehen oder doch die Tour machen würden, wollte ich davon abhängig machen, wie wir konditionell drauf sein würden.

Suri war hocherfreut, dass er schon nach einem Kilometer eine Snackhütte entdeckte. Und was für eine! 🙂 So groß, so einladend. Ich gab ihm natürlich einen kleinen Keks – aber Pause – nein, lieber Suri-Man, noch nicht.

Fand er nicht prima, aber er tolerierte meine Entscheidung und setzte sich wieder „surimäßig“ an die Spitze unserer Truppe.

Von nun an ging es ein Stück auf dem Geopfad durch den Wald. Der Geopfad ist dem Kellerwaldsteig angebunden und man kann, wenn man aufpasst, die durch Erosion freigelegten Reste der ehemals zu Afrika gehörenden Gesteine entdecken. Ich war aber irgendwie zu sehr mit Schnaufen und Prusten und Schwitzen beschäftigt. (Heißt – hier muss ich bei Gelegenheit noch mal hin! 😉 )

Mein GPS-Gerät verriet mir, wir sind auf Kilometer 2,3 angekommen. Aber wo zum Teufel war denn die Ruine, die hier sein sollte? Herrje – da kommt man sich schon etwas deppert vor. Es kann doch nicht sein, dass man eine Burgruine übersieht!

Versteckt – Burgruine Schönstein

Doch, das kann sein. Denn Burg Schönstein liegt wirklich versteckt hinter Bäumen auf einer Anhöhe. Da wir aber erst einmal durch eine Mulde wandern mussten und dann brav dem Pfad wieder den nächsten Berg heraufprusteten, konnten wir die Ruine, die auf dem anderen Hügel lag, gar nicht sehen.

Als wir also auf unserem Berg oben angekommen waren sah ich ein Hinweisschild. Das uns gegenüber die Ruine zu sehen ist. Ein Blick genügt: Jep. Da war sie!

Also wieder steil bergab, um dann wieder steil bergauf, um die Ruine hautnah erleben zu können.

Kaum zu glauben – trotz Dampfkessel-Wetter so gut wie keine Mücke hier.

Es passiert eigentlich nie, dass wir nach etwas über 2 Kilometer Wandern eine größere Pause einlegen. Hier war es also Primiere. Wir alle 4 hatten echt den Dampf in den Gliedern. Und die Ruine lud schon dazu ein, sich eine Weile aufzuhalten. Also Rucksack runter, Snacks und Wasser ausgepackt und erst einmal in Ruhe gefrühstückt … zwischen den Mauerresten einer romantischen Spornburg.

Die Burg vermutlich bereits im 12. Jahrhundert von den Grafen von Ziegenhain erbaut. Sie diente der Kontrolle über die Straße durch das Tal der Gilsa.

Nach der Pause fühlten wir uns wieder so fit, dass wir beschlossen, zunächst die Tour weiter zu gehen. Ein wenig mulmig war mir, weil ich vor lauter Wald nicht in den Himmel sehen konnte und somit auch nicht in der Lage war, zu erkennen, ob ein Gewitter aufziehen würde.

Da ich – mangels Netzempfang – keine Chance hatte, mich auf meine Gewitter-App zu verlassen, musste ich auf mein Gefühl und meinen Sinne vertrauen. (Alles ist gut gegangen! 🙂 )

Selten zwar, aber manchmal konnten wir durch den Wald sogar Landschaftspanoramen sehen.

Nach Kilometer 5 beschloss ich, die Tour dann doch etwas abzukürzen. Selbst der Turbo-Capper war nicht mehr im Zug sondern trottelte so easy-peasy vor sich in. Rinchen las unterwegs viel Zeitung und Suri war zwar immer vorne weg, aber auch eher gemächlich.

Wir stießen wieder auf den Geopfad. Laut GPS würde er uns dann auf „schnellstem“ Wege wieder zum Ausgangspunkt bringen. Wenn ich „auf schnellstem Wege“ sage, dann bedeutete dies hier, noch etwa 5 Kilometer. 😉

Auf dem Geopfad lag – tief im Wald versteckt, der Silberstollen. Einstmals wurde hier Silber abgebaut. Heute ist dieser Stollen eine Rückzugs- bzw. Schlafoase der Feldermäuse. Dieser Ort hatte etwas Unheimliches. Er war so tief versteckt im Wald und der Pfad endete hier auch abrupt. Wir mussten uns quer durch den Wald schlagen, um wieder auf einen „normalen“ Weg zu gelangen.

Suri auf dem Weg zur Snackhütte. Suri-Scout und die „Schmiede-Hütte“

Etwas mehr als 1,5 Kilometer, nach der 2. Survival-Einheit am Silberstollen, erreichten wir eine wunderbare Hütte. „Schmiede“ hieß sie. Nicht nur, dass sie eine, für Snackhütten übliche, überdachte Sitzmöglichkeit bot. Nein – im Zweifel hätte man auch in einen geschlossen Innenraum übernachten können.

Ganz klar. Hier wollten wir noch einmal pausieren. Wir waren echt durch. Nicht nur die Klamotten – innen vor Schweiß – außen vor Luftfeuchtigkeit. Sondern auch die Beine und Glieder von uns allen Vieren waren müde.

14 müde Beine – das ist ein Wort!

Erstmals, dass sich Suri, nachdem er seinem Snack einverleibt hatte und die Lage mit einem Blick aus dem Fenster gecheckt hatte, auf die Seite legte und tief und fest einschlief. Und auch Caps und Rinchen probten nicht mehr, wie sonst, den Aufstand, weil sie weiter wollten. Nein. Wir hatten uns unsere Pause mehr als redlich verdient.

Bis zum Ziel hatten wir nunmehr noch 2,5 Kilometer vor uns. Nach der Pause waren wir einigermaßen ausgeruht. Allerdings war unser Wandertempo nun wirklich deutlich reduziert. Irgendwie nahm ich nur noch die Geräusche meiner Schritte und die des Waldes wahr. Mit den Augen habe ich irgendwie nichts mehr aufgenommen. So kann es kommen, wenn man bei schwülem Dampfkessel-Wetter auf Wanderschaft geht. 😉

Und vor allem – nicht zu vergessen – wenn man bereits jeden 2. Tag zuvor eine Tour unternommen hat.

Kurz vor dem Ziel erfreute ich mich daran – (oh – meine Augen wurden wach, als ich Tageslicht zu sehen bekam!!!!!) – einen Eichelhäher auf dem Feld sitzen zu sehen. Wieder rundete ein wundervoller Vogel unsere super schöne Tour ab.

Fazit:
Diese Tour konnte nichts dafür, dass die klimatischen Bedingungen nicht gerade günstig waren. Es war irgendwie eine spannende Tour. Und irgendwie an manchen Stellen „unheimlich“. Nicht, dass ich mich unwohl gefühlt hätte (habe ja schließlich 3 Bodyguards dabei 😉 ) Aber der Wald war dicht und relativ dunkel. Selten die Möglichkeit, in den Himmel zu blicken. (Typisch für den Kellerwald und auch für den Burgwald.) Dazu das Dampfkessel-Klima und solche Orte, wie der Silberstollen. – All das hat schon etwas.

Ich weiß, dass wir dort auf jeden Fall noch einmal aufschlagen werden. Eine ganz interessante und spannende Ecke im Kellerwald.

P.S. Und am Nachmittag gab es dann tatsächlich im Burgwald und im Kellerwald sehr heftige Gewitter mit einigen Einschlägen. 

Die Streckendaten: