Wandern

Rureifel – von großen Seen und Relikten aus Kriegs- und Nachriegszeiten

Es zog uns an den Urftsee im Nationalpark Eifel. Geplant war eine Wanderung um den See mit der Besichtigung von Relikten aus unschönen Zeiten. Ich weiß, dass die Natur mit solchen Überbleibseln ihr eigenes Spielchen spielt. Es ist wie ein Wunder, was sie daraus macht und wie sie es vereinnahmt.

Die eigentliche Route sollte 13 Kilometer lang sein. Da ich es aber bevorzuge, nicht auf großen und kostenpflichtigen Parkplätzen zu parken, beschloss ich, einen Waldparkplatz anzufahren. Somit verlängerte sich die Tour, nach meiner Planung, auf etwas über 16 Kilometer. Perfekt.

Leider hatte ich die Rechnung ohne die Natur gemacht, denn der Weg vom Parkplatz aus, war nicht mehr gehbar. Also lotsten wir uns – per GPS – auf einem anderen, wunderschönen Weg – hinunter zum Urftsee. Dies hatte zur Folge, dass letztendlich auf unserem Tagestacho der Kilometerstand von 21,1 stand. Wow. Und so fühlten wir 4 uns dann auch 😉

Wir wanderten stetig bergab und konnten bereits zwischen den Bäumen erahnen, dass der Urftsee unter uns lag. Die Nebelschwaden ließen auf Wasser schließen.

Auf diesem Streckenabschnitt hatten wir das „Vergnügen“, ab und an den Weg verlassen zu müssen, weil frisch umgestürzte Bäume kein Durchkommen mehr zuließen. Also kraxelten wir auch mal bergauf-bergab um umgekippte Bäume herum oder krochen darunter her.

Bei den Hunden sah das weitaus eleganter aus als bei mir 😉 .

Wir konnten bereits hier einen Blick auf „Vogelsang“ werfen, welches wir ebenfalls bewandern wollten.

Eigentlich hatte ich geplant, die Strecke im Uhrzeigersinn laufen. Also zunächst die NS-Ordensburg Vogelsang und das verlassene Dorf Wollseifen zu bewandern, um anschließend herunter zur Urftsee-Staumauer zu gehen. Da unsere geänderte Route aber quasi an der Staumauer auskam, wanderten wir halt gegen den Uhrzeigersinn, was im Nachhinein betrachtet auch ganz gut war. Denn steil war es zwar egal wie herum wir gelaufen wären, aber ein extrem rutschiger und steiler Weg von der Staumauer aus, war definitiv bergauf besser zu laufen als bergab. 🙂

Ein Teil des Urftsees, fotografiert auf dem Staudamm.

Es herrschte um diese Uhrzeit noch gähnende Leere an der Staumauer. (Erbaut wurde die Talsperre 1900 – 1905). So konnten wir uns in Ruhe umsehen. Beeindruckend sind alle Talsperren, wenn man bedenkt, was diese an Wassermassen aushalten.

Von nun an ging es steil bergauf. Große Warnschilder warnten davor, die Wege zu verlassen. Da der nun kommende Teil nach dem Krieg bis 2005 als Truppenübungsgelände genutzt wurde, sind die Gefahren durch Überreste dieser Zeit nicht auszuschließen. Dennoch – die Landschaft auf der Dreiborner Hochfläche hat einen ganz eigenen Charme.

Von der Hochfläche hat man einen recht guten Blick Richtung Vogelsang. Selbst bei dem diesigen Wetter konnten wir hervorragend weit schauen.

Und dann – auf einmal wie aus dem Nichts – tauchte zu unserer Rechten das Geisterdörfchen auf. Wollseifen.

Ein Ort, der absolut zur Stille und zum Nachdenken anregt. Mir jedenfalls ging es so, dass ich mich in Menschen vergangener Tage hineinversetzte. Gleichzeitig fröstelte es mir beim Anblick der Übungshäuser, die die Belgier errichtet hatten, um den Häuserkampf (u.a. auch für den Kosovokrieg) zu üben. Ein bizarres Stückchen Erde hier.

Mitten in der Natur ein verlassenes Dorf, bestehend aus einer Kirche und „Neubauten“, die eigens für Truppenübungen errichtet wurde. Ein denkwürdiger Platz.

Die Kirche hat es mir angetan. Diese Stille hier oben, diese Einsamkeit, die ich hier spürte. Und als ich mich umdrehte, um den Raum zu verlassen, sah ich über dem Ausgang ein Bild aus Kriegszeiten. Kinder – vermutlich war das die Zeit der Kindheit meiner Oma… Man schluckt gewaltig, wenn man bedenkt, dass diese Kinder hier zunächst eine fröhliche Kindheit genossen haben, dann die Hoffnung, dass durch den NS-Orden Vogelsang auch ein wenig Wohlstand einziehen würde, dann Krieg, dann Vertreibung….

Die Kirche von Wollseifen geht auf eine mittelalterliche Kapelle zurück. Belegt sind Gottesdienste in Wollseifen für das Jahr 1470. Die heutige Kirche wurde in den Jahren 1633 bis 1635 in Formen des Barock erbaut und am 22. Oktober 1635 geweiht. Im Jahr 1660 wurde das Gotteshaus zur Pfarrkirche erhoben. 1665 erfolgte eine Erhöhung des Glockenturms. Dabei erhielt er auch einen neuen achtseitigen Turmhelm. 1843 wurde eine Orgelbühne eingebaut, 1848 vor dem Hauptportal im Erdgeschoss des Turms eine Vorhalle errichtet und 1888 eine neue Sakristei an der Südwand des Chors angebaut. Im Jahr 1946 wurde die letzte heilige Messe in der Kirche gefeiert. Das Dorf musste innerhalb von drei Wochen geräumt werden, da die britische Militärverwaltung das Gelände in den Truppenübungsplatz Vogelsang einbezog. Nach Räumung des Dorfs nutzte das Militär die vom Krieg unzerstörten Gebäude als Ziele für Schießübungen. 1947 brannte die Kirche aus, wodurch ein Großteil der Innenausstattung verloren ging. Aufgrund der militärischen Nutzung blieben von der Kirche nur die Außenmauern erhalten. Sakristei und Vorhalle wurden sogar komplett zerstört. (Quelle: Wikipedia)

Neben der alten Kirche, der Ruine der Volksschule, ein paar eingebrochenen Häuserruinen und den geisterhaften Trainingshäusern, gab es auch eine „Kutschenhaltestelle“ und diverse alte „Straßen-Schilder“ zu sehen.

Die Spaniels nach dem Snack. Im Hintergrund die Volksschule.

Wir verbrachten eine gute halbe Stunde an diesem Ort. Logisch – es gab auch eine Snackpause. Die hatten wir uns schließlich nach 8,5 Kilometern auch verdient.

Nach unserer Stärkung ging es weiter.

In ca. 3 Kilometern sollten wir Vogelsang erreichen. Zuvor marschierten wir – stramm bergab an Ruinenresten vorbei.

Da Vogelsang aber oben liegt, konnte es ja gar nicht anders sein … wir mussten nach dem Abmarsch wieder in den Aufmarsch … Uff.

Wir erreichten diese Gedenkstätte – schnaufenderweise.

Vogelsang diente seinerzeit als Schulungsstätte für den Nachwuchs des NSDAP-Führungskaders.

Zu betrachten gab es u.a. den großen Aussichtsturm, Kameradschaftshäuser, Schulungshäuser, das Gemeinschaftshaus, den Thingsplatz als Veranstaltungsbühne, Sportanlagen und das Feuermal des Fackelträgers. Auf diesem Gelände ist nun ein Museum eingerichtet.

Nun genug der Kultur. Bergabgehend hielten wir uns Richtung Victor-Neels-Brücke, die uns über den Urftsee zu einem leicht zu gehenden Weg führte.

Hier marschierten wird etwa 4 Kilometer unten am Urftsee entlang. Geniale Zeit zum Verschnaufen und zum Kraft schöpfen. Wohl wissend, dass wir anschließend den Endspurt zum Auto noch 4 Kilometer bergauf gehen mussten. Jedoch genossen wir diesen leichten Weg sehr und betrachteten die steilen, durch Erosion gebeutelten Schieferwände, die Vögel auf der Urft und jede Menge kleiner Wasserfälle. Ein perfekter Tourausklang – wie wir finden.

Fazit für diese Tour: Toll. Einfach toll. Mit allem, was für mich eine gute Tour ausmacht. Etwas Anstrengung, etwas Erholung, etwas zu sehen (historisch und landschaftlich). Dass, das Wetter jetzt nicht soooooo toll war, dafür kann die Tour ja nichts 😉 Außerdem – wir sind ja von oben trocken geblieben. 🙂

Hier die Streckendaten:

Alle Bilder gibt es hier.

 

 

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