Wandern

Wandern: DAS macht es mit mir …

Wandern ist für mich viel mehr, als ein Hobby oder ein Sport. Es ist zu etwas geworden, was viel nachhaltiger und tiefer geht, als alles, was ich sonst so an schönen Dingen mache. Die ersten einschneidenden Erlebnisse hatte ich schon vor fast 25 Jahren im Hochgebirge.

Nach einer sehr langen Wanderpause, habe ich nach Uncas Tod 2015 meine alte Leidenschaft wieder aufgenommen. Und seitdem bewältige ich vieles etwas leichter. Nicht, weil es leichter geworden ist, aber ich die Möglichkeiten zum Perspektivwechsel habe.

Deshalb möchte ich heute nicht nur einen Erlebnisbericht über eine Tour schreiben, sondern eben auch mal auf meine ganz persönlichen Erfahrungen mit dem Wandern an sich eingehen.

Dass die Wissenschaft längst erwiesen hat, dass Wandern gut für Körper und Seele ist, brauche ich nicht zu erwähnen. Ich bin der Überzeugung, dass jegliche Aktivität in der Natur etwas mit uns Menschen macht. Was genau, das wird wohl sehr individuell sein. Jeder empfindet anders.

Deshalb kann ich an dieser Stelle nur sagen, was es mit mir macht.

Wenn ich sage, dass ich dabei unheimlich entspannen kann, dann wäre das zu einfach ausgedrückt. Es ist die Kombination aus Anstrengung und über den eigenen Schatten zu springen in Verbindung mit dem Eintauchen in eine wirklich andere Welt. Wenn die Natur mit ihren Farben und ganz eigenen Geräuschen in mich eindringt, dann ist es wie eine Medizin. Mir kann es noch so mies gehen, ich kann mich mit den Dingen, die mich beschäftigen umgehen und sie aus einem anderen Blickwinkel anschauen. Das ist sicherlich eine gute Strategie. Nicht die Dinge zu umschiffen sondern sich mit ihnen zu befassen ohne dass sie die Regie übernehmen.

Merkwürdigerweise nehmen die Alltagsdinge und Probleme keinen großen Raum ein. Ein paar Gedanken auf leichten Wegen, um dann seine Konzentration auf andere Dinge zu lenken. Ein felsiger Weg, ziehende Hunde, ein Aufstieg, der mir den Atem raubt, eine wunderbare Aussicht. Und schwupp – kein Platz dafür, dass Unbehaglichkeiten und störende Gedanken zu viel Raum einnehmen.

DU bist gerade nicht wichtig. Du bist zwar da und ich nehme das zur Kenntnis. Aber gerade ist was anderes dran.

Wandern ist sicherlich auch als Sport zu betrachten. Allerdings geht es mir persönlich nicht um möglichst viele Kilometer. Die kommen sowieso zusammen. Und ich würde lügen, wenn ich sage, ich wäre nicht stolz darauf. Aber viel glücklicher macht es mich, wenn ich weiß, WAS ich geschafft habe und was ich erleben durfte.

Wandern als Training für den Alltag?

Eine Wanderung hat immer große Parallelen zum Alltag. Es gilt, Probleme zu lösen, gut aufzupassen, Verantwortung zu übernehmen, die Sinne beisammen zu halten, zu träumen und ehrfurchtsvoll zu sein, Risiko und Nutzen abzuwägen, usw, usf. Ja. In der Tat. Das, was ich mir beim Wandern erarbeite und trainiere (hier meine ich nicht meine Muskeln und Gelenke 😉 ), nehme ich mittlerweile immer mehr mit in das „wirkliche“ Leben. Also – für mich hat es etwas von Training.

Ich spiele ein Lebensspiel auf meinen Wanderungen. Klar. Unbewusst. Aber es ist ein Training für den Alltag aus einem ganz anderen Kontext heraus. Ähnlich und doch anders.

Warum ich das Wandern ausgerechnet in der Zeit aussetzte, in der es mir gar nicht gut ging, weiß ich nicht. Im nach hinein betrachtet: Ganz schön blöd.

Ich habe nicht nur schöne Erinnerungen sondern konserviere Gefühle

Jede Minute dort draußen, jeder einzelne Schritt wird zum unlöschbaren Teil, der mich überall und immer begleiten wird.

Selbst als ich mir die alten Wanderfotos von 2001 angesehen hatte, wusste ich bei jedem einzelnen Bild, was dort war, wie es mir ging. Es ist merkwürdig, denn hier nehme ich nicht nur die Erinnerungen auf, die ich ja auch noch an tolle Ereignisse z.B. im Hundesport habe, sondern hier habe ich tatsächlich auch Gefühle konserviert. Das ist schon Wahnsinn.

Was macht den Unterschied?

Wenn ich das so einfach in Worte kleiden könnte. Die Gemeinsamkeiten mit anderen schönen Dingen kann ich schnell aufzählen. Auch im Hundesport, den ich sehr liebe, habe ich eine Vielzahl von tollen und umwerfenden Erinnerungen. Da waren einige Momente dabei, die mich glücklich und stolz machten, die Gänsehaut auslösten.

Trotzdem ist es beim Touren durch Wald & Feld noch etwas anderes. Es geht einfach bei mir viel tiefer. Es ist wirklich etwas, was ganz tief innen ankommt. So tief konnte bisher noch kein anderes Hobby (meine Hunde sehe ich nämlich nicht als Hobby an, sie sind Familie) sich in mir eingraben und Dinge auslösen, die ich meistens erst dann begreife, wenn wieder eine Tour geschafft ist.

Viele Faktoren kommen zusammen

  • Das Gefühl, sich in einer anderen Welt zu befinden.
  • Entspannung und Anspannung.
  • Stress, vor zum Beispiel schweren Passagen.
  • Glücksgefühle und Stolz, es geschafft zu haben.

Die Sinne werden komplett durchgeknetet. Du siehst anders, beobachtest mehr, Du hörst anders und anderes, wirst aufmerksamer, Dein Körpergefühl nimmt deutlich zu, denn Sehen, Riechen, Fühlen, Ausbalancieren – alles spielt unmittelbar zusammen und zwar – für mich – in einer einzigartigen Weise.

So. Das war nun mal ein Loblied auf’s Wandern. 🙂 Auch wenn ich weiß, dass viele nicht das Glück haben, wandern zu können – aber es gibt überall ein Stückchen Natur, welches man nutzen kann, um die Sinne zu schulen. Da gilt es eben im kleinen Rahmen, nicht nur „stumpf“ eine Runde zu drehen sondern sich tatsächlich einmal bewusst der Sache hingeben und zuzulassen, dass die Natur tatsächlich wirken kann.

Ich bin einfach nur glücklich, dass ich wandern darf und wandern kann.

Es ist ein wirkliches großes Geschenk, das ich beinahe komplett weggeschmissen hätte und im letzten Moment doch noch einmal neu für mich entdeckt habe.

Und ehrlich. Was gibt es schöneres, als mit den besten Freunden der Welt – meinen Hunden und zwar die, die aktiv mit mir gehen und alle meine Schätze, die in meiner Seele mit dabei sind, auf Wanderschaft zu gehen.

 

2 Kommentare zu “Wandern: DAS macht es mit mir …

  1. Wow – was für eine Liebeserklärung ans Wandern!!!!!
    Ich wünsche euch noch viele schöne Kilometer,
    LG Corinna

  2. Bifu1967

    Ja, Corinna! Es ist halt mehr, als nur durch die Gegend zu gehen. Und danke Dir für die Wünsche. Wir werden sicherlich noch einige schöne Kilometer zu Viert unternehmen dürfen. Und wir freuen uns drauf 🙂

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