Wandern

Durch die „grüne Hölle“ zum Rande des Hohen Venn

Das Hohe Venn hat eine magische Macht über mich… Ich liebe dieses Gebiet, auch wenn man mit Hunden nicht in die Hochmoore kann. Das ist verständlich und für mich absolut okay. Denn diese fantastische Landschaft mit all der Vegetation und den Tieren, die bedürfen uneingeschränkt Schutzmaßnahmen.

Es gibt aber mehr als ausreichende Touren, auf denen die Fellnasen mitdürfen. Und ich – ja ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Diese Tour war wieder einmal wahnsinnig schön – umwerfend und wunderbar!

„Grüne Hölle“ trifft es um diese Jahreszeit wirklich gut. Denn die Pfade sind kaum zu erkennen. Mannhohe Farne und dichte Heide verhindern, dass man den Untergrund, auf dem man läuft, sehen kann. „Wo man nichts sieht, ist Fühlen keine Schande!“ Nach diesem Motto kämpften wir uns heute durch den Urwald.

Wer Bedenken hat, auf irgendwelche Amphibien zu stoßen oder ggf. Zecken einzusammeln, der sollte wirklich erst im Spätherbst dort laufen. (Es sei gesagt – wir haben keine einzige Zecke mit nach Hause gebracht!)

Auch wenn die Bäche und Flussläufe erschreckend trocken waren – gab es für die Jungs mehr als genügend Stellen, an denen sie sich Abkühlung verschaffen konnten.

Zu viert gingen wir los – aber zu siebt (die berühmten 7 Zwerge) kamen wir wieder zurück.

Gestern Abend hatte ich noch mit meiner besten (Wander-)Freundin telefoniert. Ich wollte schon sehr früh auf die Piste, weil ich insbesondere dem Suri-Man nicht die Mittagsschwüle zumuten wollte. Da ich sehr gerne mal Fotopausen einlege, brauche ich einfach entsprechend Zeit. Verständlicherweise sagte Ines mir, dass sie nicht deswegen schon um 4 Uhr losfahren würde. Traurig zwar – aber ich kann es verstehen. Schließlich habe ich es wesentlich näher in die Eifelregion.

Wir 4 starteten um kurz nach 6 Uhr unsere Tour. Um so größer war die Überraschung, als wir – ca. nach 4-5 Kilometer Strecke (wir hatten gerade einen kleinen Abstecher gemacht und gingen wieder auf die Route zurück), uns eine Frau in Rosa entgegen kam. Ich sagte zu den Jungs noch: „Lasst mal die Frau vorbei.“ Aber da sah ich an Suris großer Freude: Es war nicht „bloß“ eine Frau! Unsere liebe Ines hatte uns eingeholt! ***freufreufreu***. Sie hatte die Tour eine 3/4-Stunde später begonnen, uns aber eingeholt, denn sie machte keine ausgiebigen Fotopausen. 😉 Toll!!! So konnten wir dann doch noch gemeinsam das super schöne Venn-Vorland genießen. Hach!

Es gibt eine Vielzahl an Bächen und Flüsschen, die, aufgrund der Trockenheit, extrem wenig Wasser führten. Normalerweise sind die Bachläufe hoch gefüllt. Heute gab es viele ausgetrocknete Läufe, aber eben auch noch genügend Rinnsale, die sich sogar an manchen Stellen „trafen“ und sich aufstauten. Hier konnten die Jungs dann bauchhoch ins Wasser waten und hatten riesigen Spaß daran.

Zum Hohen Venn (Quelle Belgien-Tourismus) eine gute Kurzbeschreibung:

Naturschutzgebiet Hohes Venn

Im Osten Belgiens liegen die größten und ältesten Naturschutzgebiete des Landes. Sie dehnen sich über mehr als 4000 Hektar Fläche aus. Das Hohe Venn gilt als das größte Hochmoor Europas. Meterdicke Schichten aus Torf saugen den Regen auf wie ein Schwamm. Was der Torf nicht speichern kann, das fließt gefiltert in die vielen Bäche, Seen und Talsperren.

Hier, in der grünen Lunge Belgiens, entspringen viele Quellen, die die umliegenden Talsperren füllen. Diese urwüchsige Naturlandschaft zwischen Eupen, Malmedy und St. Vith, wo auch deutsch gesprochen wird, ist ein ideales Urlaubsgebiet für Wanderer, Radfahrer und Wasserratten.

Im Sommer leuchtet die Landschaft grün, im Herbst goldgelb. Die sensible Tier- und Pflanzenwelt des Hohen Venns erfordert jedoch eine aufwändige Pflege. Deshalb sind einige Bereiche der Moorlandschaft besonders streng geschützt.

Es ist in Schutzzonen eingeteilt:

  • Schutzzone A: Hier darf jeder gehen. Hunde an der Leine. Übliche Gepflogenheiten, wie keine Pflanzen sammeln, etc.
  • Schutzzone B: Hier befindet man sich schon im Hochmoor. Keine Fahhräder, keine Hunde (auch an der Leine nicht), nur und ausschließlich Gehen auf den Holzplanken-Wegen. Das Moor darf zu keinem Zeitpunkt betreten werden.
  • Schutzzone C: Nur Zutritt mit geschulten und lizensierten Führern, die für dieses sensible Gebiet ausgebildet wurden.
  • Schutzzone D: Niemand darf hier hinein. In Ausnahmefällen nur die dafür ausgebildeten Leute und nur mit behördlicher Erlaubnis.

Ausblick in Gebiete, die wir nicht betreten durften.

Der größte Teil der Tour führte, teilweise dicht bewachsen, auf felsigen und wurzeligen Pfaden, fast immer in umittelbarer Nähe von Bächen und Flüsschen. Besonders zu erwähnen sind hier der Weserbach und der Eschbach.
Normalerweise gibt es hier mehr als nur fließendes Wasser. Heute aber konnten wir durch das Flussbett gehen und uns die Füße in den verbleibenden Stauungen kühlen.

Auch wenn diese Brücke nicht einladend aussieht. Ich glaube, bei Normalwasser hätten wir sie absolut bevorzugt.

Von den mannhoch bewachsenen Pfaden konnte ich keine Bilder machen, denn hier war vollste Konzentration gefragt.

Ein angerissenes Band hat mir gereicht. Und – wie man hier schön sieht auf dem Bild – Felsbrocken und Wurzeln gab es mehr als genügend.

Wir mögen solche Pfade extrem gerne.

Zwischen Farnen, Gräsern und Heide taten sich immer wieder kleine Wasserläufe auf. Also – für die Fellnasen schon eine extrem passende Tour.

Gegen 9.30 h waren wir dann am Rande der Hochmoorflächen angekommen.

Man einer wird sagen: Ach – doch auch nur hohes Gras. Wenn man aber weiß, dass nur wenige Meter davon weg wirkliches Moor beginnt, ist die Sache schon spannender.

Die Atmosphäre war traumhaft.

Unsere Pause machten wir an einer Snackhütte in der Nähe des Reinarzhofs

Ruine des Reinartzhofs im Osthertogenwald

Mitten im einsamen Venn gelegen, war die Siedlung weitgehend autark, ohne elektrischen Strom oder Leitungswasser. 1958 erging ein Erlass, dass die Siedlung geräumt werden musste, da die benachbarte Wesertalsperre zur Trinkwassergewinnung genutzt wurde. Die letzte Familie verließ ihren Hof 1971.  (Quelle: euregio-im-bild.de)

Maus und Mann – also die 7 Zwerge – ruhten sich ein wenig aus. Klaro – Suri hatte die Snackhütte sofort entdeckt und fand, es sei an der Zeit…
 

Nach der Pause gestaltete sich die Tour weiterhin wundervoll. Wasser – Natur – Trampelpfade… 🙂

Von den Höhenunterschieden her, ist diese Wanderung sicherlich relativ leicht, wobei der höchste Punkt schon über 500 Meter liegt. Da die An- und Abstiege aber sehr „sanft“ verlaufen, sind hier nicht die Höchstleistungen gefordert.

Was aber wirklich anstrengend ist: Man braucht Konzentration. Fast jeder Schritt muss „berechnet“ werden. Felsen, Löcher, Wurzeln noch und nöcher. Das Ganze gespickt mit teilweise „Nicht-sehen-können-wo-man-hintritt“ (wegen Bewuchs) ist schon eine kleine Herausforderung.

Landschaftlich ist dieses Gebiet einfach ein Traum und sicherlich absolut empfehlenswert!

Diese 15,5 Kilometer haben so was von gut getan und haben irre viel Spaß gemacht.

Die obligatorischen Daten hierzu:

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