Obedience

Es gäbe viele Überschriften… für mich war es ein lehrreicher Wettkampftag :-)

Wenn suboptimale Vorbereitung auf Wettkämpfe trifft …

Es war sicherlich keine Meisterleistung von mir (die Jungs waren super!!!!), was ich gestern in Schiedam abgeliefert habe, dennoch habe ich so viel gelernt. Und zwar sowohl unüberlegte Dinge, die ich tat (ohne Sinn und Verstand 😉 ), durch Situationen, die ich im Training nie so auf dem Schirm hatte und …. mein Stewardeinsatz in der C, haben mir wahnsinnig viele Impulse gegeben.

Von vorne … die Jungs haben sich ihre Platzierungen mehr als verdient … ich husche derweil mal in den Keller und schäme mich 😉 …

Gerade weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich denke, ich erzähle zunächst einmal von unseren Runden, bevor ich über meine Eindrücke im C-Ring rede.

Am Vormittag ging es zunächst in die Novice-Runden. Warum auch immer, ich war nicht irgendwie aufgeregter als sonst aber ich spürte, dass ich am „frühen“ morgen irgendwie nicht so geduldig war, wie es sein sollte. Keine Ahnung. Auch meine eigene Körperspannung bekam ich nicht hin. (Ob das wohl an der Chiropaktik-Behandlung lag und ich so fürchterlich Blockade- und Schmerzfrei war? 😉 ) Spaß bei Seite.

Die Novice

Capper musste als zweiter in den Ring. Es war windig, es war kalt. Caps hätte etwas mehr Vorbereitung gebraucht. Und ich Depp habe ihn einmal angeranzt – völlig unnötig 🙁 – und da ist er sensibel genug, um mir zu zeigen, dass es so in keinster Weise in Ordnung geht.

Dennoch hat er alles gegeben. Zugegebener Maßen hat es sich nicht wirklich toll angefühlt. Nicht der Caps – irgendwie habe ich mich nicht toll angefühlt. (Herrjeh – wie soll ich das denn erklären?!?!?)

Ich rannte wie von Sinnen. Klar, der Müffjö braucht sein Tempo. Das ist okay. Aber ich selber bin nur gerannt, ohne Spannung. Und der Caps hat immer wieder versucht, genau das zu zeigen, was im Training schon sehr gut funktioniert. Nämlich in Balance zu laufen, Winkel relativ korrekt zu gehen. Und das habe ICH ihm vermasselt. Dazu kam dann noch der Wind, der nicht nur meine, sondern ganz viele andere Hunde, etwas „strubbelig“ im Hirn machte. Das gepaart mit Cappers Neugierde: Huch, was liegt denn da auf dem Stuhl? … Alles bringt Strafpunkte. Und die gehen alle 1:1 auf meine Kappe.

Hier das Video von Capsis Novice-Runde:

Dann folgten die Stays, wofür die Wettkampfrunden alle unterbrochen wurden. Hier war ich mega, mega, mega überrascht von meinen Jungs. Laurinchen, der ja vor 4 Wochen in Kerkwijk noch nicht wirklich zu seiner Form gefunden hatte und deutlichen Stress zeigte, managte mit Capsi zusammen sowohl das Sit als auch das Down ohne Punkteverlust. Ich war hocherfreut und mächtig stolz. Ganz besonders auf Rinchen.

Hier die Novice-Stays, für die, die mal reingucken wollen und wissen, wie Laurin noch vor 1,5 Jahren agierte….

Anschließend ging es dann mit Laurin in die Einzelrunde. Hirnrissig, sage ich, HIRNVERLOREN!!! Meine Jungs kennen sehr wohl, dass während des Trainings Futter, Apportgegenstände, Spielzeuge irgendwo herumliegen oder in Körben auf ihren Einsatz warten. Aber wer kann dem Laurin verdenken, dass ich, kurz bevor ich in den Ring gehe, das Apportel und ein paar Käsestücke auf den Stuhl neben dem Ring lege und dies so offensichtlich, dass er es im Vorbeigehen natürlich mitbekam! Diese Variante ist schlecht. Entweder, ich lege etwas so ab, dass er es nicht mitbekommt oder aber er darf es sich noch genau angucken. Dann wäre ja alles okay. Aber dieses Pseudoheimliche weckt natürlich die Neugierde. …

Rinchen gab ebenfalls sein Bestes, und das – wohl bemerkt – bei windigem Wetter und kalten Temperaturen. Auch das war vor 1,5 Jahren nicht wirklich machbar. Wenn ich auch mit mir wieder nicht zufrieden war, Rinchen machte einen großartigen Job. Er konnte halt auch nur das zeigen, was bei meiner „Verfassung“ für ihn machbar war.

Der große Fauxpas passierte dann beim Abrufen. Da siegte seine unbändige Neugierde… Kurz vor dem Vorsitz überlegte er sich, dann doch nicht vorzusitzen sondern umzudrehen und Richtung Stuhl zu laufen. SCHRECK!!! Ich rief ihn zurück und er kam auch sofort. 🙂 An dieser Stelle sagte ich dem Richter, dass ich von nun ab einen Trainingslauf machen würde. Was sollten wir jetzt noch in die Wertung? Dann lieber ein gezieltes Training. Was soll ich sagen! Laurin hatte nun gesehen, WAS genau ich da auf den Stuhl abgelegt hatte und von da an lief es.

Fazit: Frauchen ist mega-dämlich und sollte doch das Hirn einschalten!!!!!!

Hier Laurins Novice-Runde:

Ergebnis für Novice: Laurin natürlich keine Wertung, weil ich eine Trainingsrunde daraus gemacht habe. Capper kam auf den 2. Platz.

Die Klasse A

Nach dem Mittag hatte ich dann eine logistische Mammutaufgabe zu erledigen. Und hier hieß es für mich „Management“. Ich hatte mich gemeldet, die Klasse C zu stewarden. Parallel dazu lief aber meine eigene Klasse A. Also bat ich darum, meine Hunde in der A als erstes führen zu dürfen, um dann konzentriert den Steward-Job im anderen Ring zu machen. Der musste ja dann sowieso noch einmal unterbrochen werden, da irgendwann ja auch noch die A-Sucharbeiten folgen würden. (Dazu aber gleich noch etwas.) An dieser Stelle ein riesengroßes Dankeschön an meine Freundin, die mir beim Organisieren, Hunde festhalten, etc. pp. wirklich eine große Hilfe war. Danke Dagmar!

Capper bereitete ich etwas besser vor als am Vormittag und so starteten wir auch. Mit dem Apport fing es an. Uuuund – was lernte ich? Wenn das Apportieren direkt in Richtung Laurin geht, dann hat Caps einen Konflikt. Ja. In der Tat wollte es der Zufall so, dass Dagmar mit Laurin genau in der Flucht saßen, die mir angewiesen wurde, das Apportel auszuschmeißen. Klar. Es ist nicht Regel, dass Capper in Richtung Laurin apportieren muss, aber die Erkenntnis kam mir in diesem Moment. Muss man mal auf dem Schirm haben 😉

In der gesamten Runde fand ich auch dieses mal meine Spannung nicht so richtig und auch dieses mal gab Caps sein Bestes. Jedenfalls war ich zufrieden mit dem Buben. Ich merke, dass mein Chaotenjunge einfach mitmacht – auch wenn manche Dinge an mir merkwürdig findet….

Dann Rinchen. KALTSTART! Kurz Hundetausch. Dagmar den Capsi in die Hand gedrückt und das Rinchen „kalt gestartet“. Und …. jetzt weiß ich, dass auch das im Notfall möglich ist. Vor 1,5 Jahren hätte er alles zusammengeschrien und gebellt, was nur eben möglich war. Viel Wind, unter 10 Grad und keine Vorbereitung … DAS wäre nie möglich gewesen. Klar. Es ist schon suboptimal und sollte nicht die Regel sein, AAAAABER – es ist eben auch mal möglich. Und das ist eine erstaunlich beruhigende Erkenntnis! 🙂

Insgesamt gefiel mir Rinchen super gut. Auch er zeigte einiges, was im Training bereits erreicht wurde. An vielen Dingen hinderte ich ihn. Und somit kam er in der Fußarbeit zeitweise ins Vorprellen. Nicht so arg wie es sonst war aber ich merkte deutlich, dass der Turbo zündete. Alles in allem hat er einen wundervollen Job gemacht.

Hier ein Zusammenschnitt der Einzelrunden:

Leider musste ich viele Passagen raus schneiden, weil Dagmar immer mal wieder mit einem meiner Hunde zu kämpfen hatte und dadurch teilweise nichts zu erkennen war. Aber einen kleine Eindruck gibt es schon her:

Dann verschwand ich den C-Ring um zu stewarden… und unterbrach im Ring irgendwann, um mit meinen Jungs noch die Suche (Scent) zu absolvieren.

Auch hier überraschten mich die Jungs. Jeder in eine andere Richtung: Während ich bei Caps dachte: Ohjeee, Wind! Kalt und längeres Warten ohne Vorbereitung. Das gibt ein lustiges Tuchwerfen oder Tuchzerfetzen …. NIX da! Raus – Aufnahme – Rein – Abnahme – Grundstellung…. WOW !!!!!!!!

Und bei Rinchen dachte ich: Suchen auf Gras. No Problem. Macht er immer gut. Easy going wird das. Stinkefinger! 😉 Raus – über die Tücher hinwegfegen, um wieder zu mir zu kommen – einmal doof gucken – wieder rausgehen – irgendein Tuch, das da im Wege lag aufnehmen und es mir vor die Füße zu schmeißen ….    HUUUUCHHHHH! ????? Der Wind, der Wind … Laurins Hirn war so strubbelig, wie meines in den Einzelrunden. Also stand es jetzt 1:1 für uns. Er hat es mir zurückgegeben! Basta! Leider sehr teure 30 Punkte.

Ergebnis der A: Caps kam noch auf den 4. Platz und Rinchen auf den 5.

(Wenn ich mir nun überlege, was bei Rinchen rausgekommen wäre, wenn wir nicht 30 Punkte sondern vielleicht nur 3 oder 5 Punkte verloren hätten …. Ja … ich glaube, ich kann stolz sein auf meine Jungs.)

Übrigens auch auf den Suri-Man, der natürlich auch zwischendurch mal – zwischen den Ringen – in dem Wettkampfgetummel ein paar Runden unter der Hand laufen durfte. Er hat es großartig gemacht.

Ringsteward in der C

Auch wenn ich schon unendlich viele Prüfungen in FCI-Obedience gestewardet habe, ist es schon etwas anderes, eine UK-Prüfung zu stewarden. Viel weniger Platz und dadurch viel weniger Möglichkeiten, einen kleinen Fehler auszumerzen. Eine Idee zu spät wenden lassen kann im Zweifel bedeuten, dass das Schema nicht mehr passt und der arme Hundeführer durch den Zaun muss… Und dann auf Englisch. Das wäre nicht soooo das Problem. Aber mit der Kombination des erst genannten Punktes, ist es schon super anstrengend.

Hat aber echt Spaß gemacht und es war für mich so unendlich interessant zu sehen und zu lernen, wie die „alten“ Hasen mit gewissen Dingen umgehen. Einerseits zu erfahren, was alles erlaubt oder auch nicht erlaubt ist. Andererseits, wie wird mit Fehlern umgegangen, welche Rituale werden verwendet, usw. Sehr aufschluss- und sehr lehrreich für mich. Von daher nutze ich den gestrigen Tag auch quasi als Seminartag für mich.

Und dann muss ich noch eines ganz besonders erwähnen. WAS für eine super Einstellung von den Hundeführern! Während ich also die Hundeführer schickte – es war so bei Team 9 oder 10, sah ich im Nebenring, dass die A-Suche fast vorbei war. Also höchste Zeit, meine Hunde zu holen, um meinen Scents noch zu absolvieren. Kurzerhand informierte ich die C-Richterin, dass wir nun kurz unterbrechen müssten. Kein Problem. Sie sagte es der Hundeführerin, die sich (bereits vorbereitet!) vor dem Ring befand.

Anders – als so häufig üblich – lächelte diese dann mit den Worten: No Problem! Zog mit ihrer Fellnase ab, nahm sich etwas zu trinken und ging ganz entspannt die Sache an. Um dann, nachdem ich nach etwa 10 Minuten wieder als Steward im C-Ring erschien, ihren Lauf begann. Irre! Sportlich! Beeindruckend!

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