Longieren Obedience

Andere Perspektive – neue Erkenntnisse

longcap01Gestern haben wir nach langer langer Zeit mal wieder den Longierzirkel im Garten aufgestellt.

Die Jungs fanden das mega-hammermäßig klasse und ich selber habe auch immer wieder großen Spaß dabei, zumal ich gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlage. Und mir dieses mal – insbesondere bei der Arbeit mit Caps – ein ziemlich großes Licht auf. (Weiter unten mehr dazu.)

1. Die Hunde laufen völlig unabhängig von mir – ganz in ihrem eigenen Rhythmus.
2. Dabei kann so gut – auf spielerische Art und Weise – das Zuhören trainiert werden.

Die Übungen waren hierbei – Lauf (galoppieren), Traben (funzt bei Laurin allerdings eher nicht), Stoppen (Steh – Sitz – Platz), Distanzkontrolle, Cavalettiarbeit, Voranschicken um einen Kegel und der Sprung.

Was mich einfach fasziniert ist, mit wie viel Eifer und vor allem mit wie viel Konzentration die Buben die Kombination aus verschiedenen Übungen in Verbindung mit kleinen Zeichen oder akustischen Signalen abarbeiten. Ohne, dass ich in irgend einer Weise nur einen Hauch von „Einfluss“ nehmen könnte, denn ich bin ja „gefangen“ im Zirkel. Sie bewegen sich absolut frei und unabhängig von mir und dabei wurde es mir gestern mal so richtig klar:

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Das große Problem im Team bin ich. 😉 (Nicht, dass mir das nicht schon immer bekannt war!) Was aber sehr interessant zu beobachten war ist Folgendes:

  • Capper balanciert sich wunderbar aus.
  • Laurin ist höchst konzentriert und …
  • Warum ist Capper für jede Ablenkung empfänglich, wenn wir etwas zusammen machen, in Form von Fußarbeit oder Distanzkontrolle, aber stört sich an nichts und niemandem bei freier Arbeit – auch mit Tempowechseln, Stoppen oder Distanzkontrolle ?

Es muss ja an mir liegen. Irgendetwas muss ich machen, dass mein Hund bei enger Zusammenarbeit gerne den Fokus woanders hin lenkt. Mensch, was habe ich mir gestern Abend noch den Kopf zermartert! Meine Erkenntnis: Ich bin vermutlich – bereits unbewusst – ein Kontrollfreak. Irgendwie muss ich auf kleinste Signale so reagieren, dass er sich auf andere Dinge konzentriert. Vielleicht ist es einfach schon in meinem Kopf so tief verankert, dass ich – gar nicht so furchtbar bewusst zwar, aber dennoch – auf leichtestes Stocken schon reagiere. Und wenn es nur eine minimale Tempoänderung ist. Was auch immer…

Heute habe ich meine Gedankengänge mit Sabine besprochen. Und wir haben den Versuch gemacht! Sie hat mich einfach nur daran erinnert, dass ich ich sein soll. Meinen Stiefel machen soll und Capper Capper sein lassen soll. Geschickt hat sie mich immer wieder davon abbringen können (und zwar rechtzeitig), dass ich auf kleine Unaufmerksamkeiten nicht mehr – auch nicht minimal – reagiert habe. Einfach weiter – weiter – weiter – weiter. Und – es hat sich prima angefühlt. 🙂

Hier nochmals die Videos vom Longieren gestern:

Laurinchen – mein super kleiner Daniel Düsentrieb. So eifrig. Und nix verlernt, außer hin und wieder mal etwas gaga zu sein.

Der Müffjö hat letztes Jahr insgesamt 3 Einheiten im Longieren gehabt. Nie zu vor hatte er am Longierzirkel gearbeitet. Trotz der Pause hat er nichts verlernt. Im Gegenteil: Ich war sehr beeindruckt von meinem Chaotensohn!

Und hier noch ein paar Eindrücke von unserem kurzen Training nach dem Longieren. (Da habe ich aber noch nicht über das Erfahrene philosophiert, von daher sieht man dabei natürlich auch noch nicht, dass ich meinen Stiefel einfach durchziehe. Was ja auch nicht bedeutet, dass ich nicht weiter an den Baustellen arbeiten werde. Aber das mit dem „Stiefel durchziehen“ ist schließlich meine Baustelle 😉 und dazu brauche ich immer wieder mal heftige Tritte in den Allerwertesten…

Laurinchen:

Caps:

Insofern gibt es jetzt noch eine kleine weitere Änderung im Training. Neben dem, was wir bereits begonnen haben – auch Detailarbeit – wird jetzt auch mehr darauf geachtet, dass ich meinen Job mache und den Hund seinen machen lasse, ohne dass ich zwanghaft versuche, alles vorherzusehen oder im Moment einer kleinen Unachtsamkeit schon wieder irgendetwas tue, was NICHT meine Aufgabe ist.

DAS wird sicherlich noch eine harte Nuss, die geknackt werden muss. Aber: Ich freue mich schon drauf!

 

2 Kommentare zu “Andere Perspektive – neue Erkenntnisse

  1. Liebe Birgit!

    Ich lese deine Berichte immer gern, das gibt mir Anregungen für uns. Sie sind spannend und sehr selbstkritisch, von daher nehme ich an, du schreibst sie gar nicht in erster Linie für die Leserschaft, sondern für dich, um die Gedanken noch mal zu strukturieren.
    Schön, euch zuzusehen!

    Liebe Grüße, Corinna

  2. Bifu1967

    Liebe Corinna! Wow – das hast Du ja auf den Punkt gebracht. Sicherlich schreibe ich auch meinen Blog für Leser aber richtig ist auch, dass es für mich einfach eine Aufarbeitung ist. Es gibt Höhen und Tiefen. Und die teile ich gerne – irgendwie sitzen wir ja alle in einem Boot. Viele haben ja ähnliche Schwierigkeiten oder auch ähnliche kleine Erlebnisse! Danke für Dein Feedback!

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